Das Pallium
Das Pallium

Das Pallium ist ein ringförmiges, Brust, Nacken und Schultern umziehendes Ornatstück, von welchem vorne und hinten ein ca. 30 cm langer Streifen herabhängt. Ring und Streifen sind ca. 6 cm breit und aus weißer Schafswolle gewebt.
Auf den aind sind 4 schwarze bzw. rote Kreuze gestickt. Auf die beiden Streifen, welche unten mit ca. 13 x 6 cm großen Metallplättchen beschwert sind, ist jeweils 1 Kreuz aufgestickt. Die Metallplättchen sind mit schwarzer bzw. roter Seide überzogen.

An den Kreuzen (vorne unter dem Hals, linke und rechte Schulter),  befinden sich kleine Schlaufen, in die kostbare Nadeln (spilloni dal pallio (ital.); aciculae (lat.)) gesteckt werden. Sie erinnern an die drei Kreuznägel.
Der mit Edelsteinen verzierte Nadelkopf sollte, vom Betrachter aus gesehen, immer nach rechts zeigen.

Die Wolle stammt von weißen Lämmern. Am Tag der Heiligen Agnes (21. Januar) weiht der Papst oder ein von ihm beauftragter Kardinal (am 21. Januar 2007 war es Kardinal Ruini) in der Kirche Sant’ Agnese fuori la Mura zwei Lämmer. Die Schur findet in der Karwoche durch die Schwestern statt, deren Obhut die Lämmer bis dahin anvertraut werden. Die Wolle der beiden Lämmer reicht allerdings nicht aus, um alle benötigten Pallien zu weben. Daher wird sie mit der Wolle andere Lämmer vermischt.
Die beiden Lämmer werden von den lateranesischen Regularkannonikern dem Kapitel von St. Johann im Lateran als Abgabe entrichtet.

Das Kloster, welches das Pallium des Papstes webt, ist in Rom. Es ist das Klausurkloster Santa Cecilia (22, piazza di Santa Cecilia, 00153 Rom, Stadtteil Trastevere). Außerdem wurden früher im Kloster am Torre de Specchi Pallien gewebt.

Beim Pallium handelt es sich um eine Berührungsreliquie. Am Vorabend des Hochfestes der heiligen Apostel Petrus und Paulus, also am Abend des 28. Juni, werden die neuen Pallien, welche am 29. Juni vom Papst den neuen Erzbischöfen verliehen werden, auf die Schatulle mit den Gebeinen des Apostels Petrus unter dem Hochaltar in der St. Peters Basilika in Rom gelegt. So kann die Kraft und der Segen, der von denen Gebeinen des Apostels Petrus ausgeht, auf die neuen Pallien übergehen.

Zu Beginn seins Pontifikates trug der Heilige Vater ein antikes Pallium, welches über die linke Schulter bis hinunter zu den Knien reichte (V-Form). Es war mit 5 Kreuzen bestickt, welche die Wundmale Christi symbolisieren.
Am 29. Juni 2008 wurde das antike Pallium aus Praktikabilitätsgründen aufgegeben. Papst Bendikt XVI kehrt zum römischen Pallium (Y-Form) mit 6 roten Kreuzen zurück. Dieses Pallium ist breiter (ca. 9 cm) als das der Erzbischöfe.

Das Pallium wurde Papst Bendikt XVI anläßlich seiner Amtseinführung am 24. April 2005 von dem ranghöchsten Kardinaldiakon, Kardinalprotodiakon Medina Estévez, mit den Worten:

„Gepriesen sei Gott, der Dich zum Hirten der ganzen Kirche erwählt hat und Dich mit der weißen Stola Deines Apostolischen Dienstes umgibt. Mögest Du in diesem Glanze für lange Jahre Deines irdischen Lebens wirken und, wenn der Herr Dich einst ruft, mit der Stola der Unsterblichkeit bekleidet in sein himmlisches Reich eingehen“.

über die Schultern gelegt.

Johannes Paul II trug ein einfaches schmales, ca. 6 cm breites Pallium mit schwarzen Kreuzen; Benedikt XVI ein ca. 9 cm breites mit roten Kreuzen.

Sehr ausführliche Darstellung des Palliums auf 55 Seiten in:
Braun, Joseph: Die liturgische Gewandung im Occident und Orient
Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg 1907
Seiten 620 bis 675

Nersinger, Ulrich: Die Lämmerweihe am Fest der Heiligen Agnes, Verlag Mayer & Comp., Wien 1995, ISBN 3-901025-43-X

Nersinger, Ulrich: Insignien und Gewandung des Papstes - einst und jetzt - Das Pallium in: Pro Missa Tridentina, Rundbrief Nr. 27, Dezember 2003, ISSN 1610-4927

Artikel Was ist das Pallium (233 KB)

 

Palliumnadeln (7 cm lang) aus Gold mit Schmucksteinen
Chrysopras (grün)
Cordierit, auch Iolith, Luchs- oder Wassersaphir (blau)
Topas, auch Schneckenstein, Sächsischer Diamant, Pyknit (gelb)